Unter Piraten ist es seit jeher üblich, wenn man in eine anderen Stadt reist, dort auch die Piraten vor Ort beim Stammtisch zu besuchen oder einzelne Piraten anzusprechen und sich mit ihnen für ein Treffen zu verabreden. Ich kenne es nicht anders und es gab auch noch nie Seltsamkeiten deswegen. Einmal ist dann immer das erste Mal…

Hinweis zum besseren Verständnis: bei der per Mail angeschriebenen Piratin handelt es sich um eine Sexarbeiterin. Alle Namen, die Rückschlüsse auf die Person zulassen könnten, wurden getilgt.


Hallo XXX (in der Annahme, dies wäre Dein richtiger Name),

ich bin Lily, Piratin aus Leipzig. Ich bin erst vor kurzem im Zuge der (Fehl-)Berichterstattung über Deine Person auf Dich aufmerksam geworden. Ich unterhalte mich gern mit interessanten Piraten und Piratinnen. Da ich in der nächsten Woche in YYY bin, wollte ich fragen, ob Du Lust hast, bei einem Kaffee ein wenig zu plaudern.
Natürlich weiß ich nicht, ob Du Zeit hast und ob Du Dich überhaupt bei Deinem sicher nicht ganz leeren Terminplan so ohne weiteres mit dahergelaufenen Basispiraten triffst 😉
Falls Du mehr über mich wissen willst: auf Twitter findest Du mich unter @Piratenlily Ich würde mich freuen, falls Du zusagst 🙂
Falls nicht: danke für Deine Aufmerksamkeit!

Viele Grüße aus Leipzig,
Lily

Liebe Lily,
ich finde es an sich immer begrüßenswert und sympathisch, wenn Menschen ihre Kontaktwünsche einfach frei heraus kundtun und unterhalte mich generell auch gern mit interessanten Menschen. Aber ich weiß nicht so recht, ob jemand, dessen Mail mit den Worten „Hallo XXX (in der Annahme, dies wäre Dein richtiger Name)“ beginnt, überhaupt von Interesse für mich ist. Was bitte ist ein „richtiger“ Name? Welche Rolle spielt das überhaupt? Sprichst du deine Freunde, die unter Netzpseudonymen auftreten, auch so an? Glaubst du, ich würde an das Angebot sexueller Dienstleistungen meine vom Bürgeramt registrierten personenbezogenen Daten dranhängen? Als Sexarbeiterin identifiziere ich mich mit diesem selbstgewählten Namen. Reicht dir das oder ist dir das nicht „richtig“ genug?
Bitte, sei mir nicht böse, aber unter diesen Umständen und als jemand, der seine Zeit als Begleiterin verkauft und nicht so unglaublich viel davon zur Verfügung hat, denke ich nicht, dass ich mich unbezahlt mit dir treffen möchte. Im anderen Falle kosten 2 Stunden meiner Begleitung ohne Vögeln 125€ und mit Vögeln 350€.
Da ich aber nicht davon ausgehe, dass du für ein Date mit mir bezahlen möchtest, biete ich dir an, mir deine konkreten Fragen gerne per Mail zu stellen. Dann sehe ich zu, wann ich die Zeit finde, sie zu beantworten. Ansonsten rennt man sich sicherlich auf dem einen oder anderen Piratenevent mal persönlich über den Weg und kann schauen, ob ein vis-a-vis Gespräch einen glücklicheren Anfang findet. 😉

Liebe Grüße,
XXX

Hallo XXX,

nun, eigentlich war dies für mich ein höflicher Einschub, weil ich Dich eben nicht in dem Kontext Deiner Begleittätigkeiten treffen wollte, sondern im Piratenkontext. Und dort spreche ich die meisten Menschen mit Vornamen an. Da ich auch nicht wußte, ob Deine Hompeage, die ja primär eben den Begleitservice anbietet, auch für eine solche Anfrage geeignet gewesen wäre, war ich eben unsicher, wie und was ich schreibe. Eine spezielle „Piraten-Kontaktmöglichkeit“ habe ich eben auch nicht gefunden.
Wenn Du das jetzt gleich als unglücklich empfindest, dann ist das zwar schade, aber halt auch nicht zu ändern. Eine nicht böse gemeinte (sondern im Gegenteil eigentlich sehr höflich gemeinte) Formulierung gleich so abzubügeln, ist nun auch nicht ganz nett.
Und nein, eben weil ich *nicht* glaube, daß Du unter Deinem bürgerlichen Namen auftrittst, sondern daß Du da trennst, deswegen habe ich versucht, eben diesem Umstand durch meine Formulierung Rechnung zu tragen und diesen Wunsch nach Anonymität anzuerkennen. Und aus dem Rest meines Textes hättest Du eigentlich das ehrliche Interesse und die Unvoreingenommenheit entnehmen können.
Ich weiß auch nicht, warum Du mir jetzt anbietest, Dich zu buchen. Ich finde, Dein oder zum Beispiel auch mein Job haben nun gar nichts damit zu tun. Ich wollte Dich als aus meiner Sicht spannende Piratin einfach mal treffen, weil ich eben grad durch meinen YYY-Besuch die Gelegenheit hätte. Ich habe Dich also auch nicht nach einem „Date“ gefragt. Hätte ich Dich dafür buchen wollen, hätte ich das auch so geschrieben.
Ich habe auch keine konkreten Fragen an Dich, sondern bin an Menschen interessiert und nutze gern Gelegenheiten, diese zu treffen. Ich denke aber, Du hast Deinen Standpunkt sehr deutlich gemacht (und Dich wegen eines Mißverständnisses unnötig echauffiert), so daß ich denke, es würde sicher auf menschlicher Ebene auch nicht so harmonieren. Ich schätze es nämlich, wenn man sich ohne Vorurteile gegenübertritt und nicht jeden verbalen Lapsus auf die Goldwaage legt.
Vielleicht sieht man sich ja zum JuPi-Camp, wo ich als Referentin eingeplant bin.

Beste Grüße,
Lily

Ute Elisabeth 'Lily' Gabelmann ist seit 2009 Piratin, alleinerziehende Mutter eines Zirkuskaters, überzeugte LVB-Nutzerin, bruncht gern im 100Wasser und zieht die Adoption der Ozelot-Familie im Zoo in Erwägung. Sie liebt Blek Le Rats “Madonna mit Kind” an der KarLi und kennt die tollste Autorin sowie die beste Eisdiele der Stadt. Sie ist Ratsherrin in einer der schönsten Städte Deutschlands, arbeitet mit einem Team cooler Leute zusammen und war auch mal politische Geschäftsführerin der Bundespartei.

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