In diesem Jahr geht die aktuelle Legislatur des LVB-Fahrgastbeirates zu Ende und ein neuer wird gewählt. Für diesen habe ich mich heute beworben.

Zuerst war ein Formular auszufüllen, was bei mir als Datenschützer schon Rätsel aufwarf:
Ich soll mein Geburtsdatum eintragen und zusätzlich noch in einer Rubrik meine Altersgruppe ankreuzen. Ich suche in den Bedingungen für eine Teilnahme am Fahrgastbeirat, ob das Geburtsdatum relevant ist. Ist es nicht. Es wird nur auf das Kreuz bei „Altersgruppe“ geschaut, um zu erreichen, daß der Fahrgastbeirat am Ende möglichst vielfältig besetzt ist.
Außerdem soll ich ein Foto einreichen. Ich überlege, daß das vielleicht für den LVB-Dienstausweis benötigt wird, den man eventuell als Fahrgastbeirat bekommt, um die Gebäude betreten zu dürfen. Allerdings macht das ja erst dann Sinn, wenn klar ist, ob man erwählt wurde oder nicht. Alle anderen reichen das Foto umsonst ein.
Neben meiner Postanschrift wird auch um meine E-Mail-Adresse und Telefonnummer gebeten. Warum, weiß ich nicht, denn auf dem Formular steht eindeutig, daß die Benachrichtigung schriftlich erfolgt.

Das alles behagt mir nicht. Ich beschließe also, der LVB zu schreiben. Allerdings überlege ich, daß eventuell Leute, die schon nach Ärger und Streß riechen, von vornherein aussortiert werden. Meine schöne Bewerbung möchte ich doch keinesfalls gefährden! 😉 Ich bitte also eine Freundin, unter ihrem Namen meine Fragen einzureichen.

Kaum zwölf Stunden später erhalten wir Antwort:

Vielen Dank für Ihre Nachfrage und das Interesse an dem LVB-Fahrgastbeirat.
Der Beirat ist das Sprachrohr für unsere Kunden. Da erfreulicherweise immer mehr Leipziger die Busse und Bahnen der LVB nutzen, versuchen wir im Fahrgastbeirat eine repräsentative Auswahl der heterogenen Kundschaft zu treffen. Dafür tagt Ende Oktober die Wahlkommission, bestehend aus Mitgliedern des alten Beirates und der LVB. Grundlage für die Auswahl sind nur die Bewerbungsbögen, die Sie in Ihrer Mail angesprochen haben. Deswegen versuchen wir zumindest über die Abfrage statistischer Daten, ein Bild des Kunden zu bekommen, um die faire Auswahl nach Alter und anderen Prinzipien der Wahl zu sichern. Dazu gehört auch die Abfrage der kurzfristigen Kontaktmöglichkeiten, die vorallem in der 4-jährigen Legislaturperiode wichtig sind.
Das Foto auf dem Bewerbungsbogen haben wir in diesem Jahr eingeführt, um der Wahlkommission die Ernsthaftigkeit der Bewerbung bzw. des Kandidaten zu signalisieren. Es ist für die Bewerbung eine zusätzliche Hürde ein Foto für die Bewerbung beizufügen. So wollen wir die Motivation und Ernsthaftigkeit für die ehrenamtliche Arbeit sicherstellen.

Das läßt ja mehr Fragen offen, als es beantwortet.
Der Fahrgastbeirat muß also kurzfristig kontaktiert werden. Klar, aber eben doch nur der Beirat und nicht schon alle Bewerber. Warum läßt man sich dann nicht von der Handvoll Personen, die tatsächlich ausgewählt wird, weitergehende Daten geben, sondern schon von Hunderten Bewerbern?
Ebenfalls weiterhin unklar: warum die Dopplung der Rubriken „Altersgruppe“ und „Geburtsdatum“? Die faire Auswahl nach Alter wäre ja auch mit einer reinen Eingruppierung nach Altersgruppen oder wahlweise lediglich über die Angabe des Geburtsjahres möglich.
Nee, liebe LVB, das überzeugt mich jetzt nicht!

Nochmaliges Nachbohren perlt auch hier einigermaßen an den LVB ab:

Wir möchten Ihnen noch einmal versichern, dass alle Daten ausschließlich zum Zwecke der Neuwahl erhoben werden. Beispielsweise benötigen wir das Geburtsdatum um sicherzustellen, dass sich nur Erwachsene ab 18 Jahren für den Beirat bewerben. Schüler sind im Fahrgastbeirat durch den Stadtschülerrat vertreten.

Alle ausgefüllten Formulare von Bewerbern, welche nicht gewählt werden bzw. als Nachrücker-Kandidaten vorgesehen sind, werden im Sinne des Bundesdatenschutzgesetzes vernichtet. Uns ist außerdem bewusst, dass Fotos, insbesondere Bewerbungsfotos sehr teuer in der Anfertigung sind. Daher werden zur Verfügung gestellte Originalfotos den Bewerbern mit dem Anschreiben, dass sie leider nicht gewählt worden sind, zurückgeschickt.

Selbstverständlich steht es Ihnen frei, der Wahlkommission nur die Daten zur Verfügung zu stellen, die Sie bereit sind anzugeben.

Klar, einfach nicht alle Daten eingeben und dann gleich aussortiert werden wegen mangelnder Ernsthaftigkeit und Kooperation? Nee nee, sowas muß dann halt nochmal auf anderen Wegen geklärt werden…

Neben dem Ausfüllen eines Formulars war auch ein Zusatzschreiben gefordert, in dem man seine Ziele, Erwartungen und Motivation als potentielles Mitglied im LVB-Fahrgastbeirat darlegte.
Ich schrub:

Ziele:
• weitere Verbesserung des Kundenservice
• Steigerung der Akzeptanz des ÖPNV in Leipzig
• interessante Angebote für Besucher und Touristen schaffen

Erwartungen:
• eingebunden sein in Unternehmensentscheidungen, die die Fahrgäste direkt betreffen
• Mitsprachemöglichkeiten
• Hintergrundinformationen

Motivation:
• LVB-Gern-Nutzer
• aktives Einbringen
• Blick „von außen“
• Erfahrungen mit anderen Verkehrsbetrieben in deutschen Großstädten

{UPDATE}
Gut, meine Motivation scheint zu sehr nach Mitbestimmung geklungen zu haben: ich wurde nach 2009 nun bereits das zweite Mal nicht ausgewählt.

Bewerbung zum LVB-Fahrgastbeirat
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