Unter dieser Überschrift erhielt ich gestern morgen eine Mail, bei der mir schon ein wenig das Frühstück aus dem Gesicht gefallen ist. Der Verfasser bezog sich auf diesen Artikel und ich gebe sie hier anonym, aber im Wortlaut wider:

Liebe Piraten in Leipzig,
liebe Frau Gabelmann,

es ist schon bizarr, dass Sie sich angesichts der durchaus vorhandenen Geldverschwendung im Leipziger Rathaus sich ausgerechnet den Zuschuss von 1 Mio. Euro für den Deutschen Katholikentag 2016 herausgepickt haben. Kann ich mir nur durch den abgrundtiefen Kirchenhass der Piraten erklären!

Aber wenn Sie gern Bürgerengagement mit atheistischer Religionsaufklärung verbinden wollen, wäre es bestimmt besser, ein Bürgerbegehren gegen den Bau der Ahmadiyya-Moschee – einer fundamentalistischen, islamistischen Sekte – in Leipzig-Gohlis zu starten! In dieser Sekte schlachtet man noch heute Frauen ab, wenn die sich einen eigenen Mann – der sogar Muslim(!) war – , ohne Erlaubnis des Vaters, suchen (siehe unten). Im übrigen wird Ihr Bürgerbegehren scheitern. Weil die Leipziger gut berechtigte Kritik von antireligiöser Hetze unterscheiden können.

Mit freundlichem Gruß
XXX

Es folgten an die Mail angehängt diverse Berichte (u.a. von PI-News) über die vermeintliche „Sekte“ sowie Fotos, die ich weder auf nüchternen noch auf vollen Magen gut vertrage.

Da ich ein höflicher Mensch bin, habe ich sogar geantwortet:

Sehr geehrte(r) XXX,

vielen Dank für Ihre Nachricht, die ich als gewählte Stadträtin und Initiatorin des Bürgerbegehrens gern beantworte.

Sie stellen bei den Piraten Kirchenhaß fest.
Ich bin mittlerweile seit fünf Jahren bei den Piraten aktiv und im Rahmen meiner Arbeit sowohl hier in Leipzig, als auch in Sachsen sowie auf Bundesebene sehr vielen Piraten begegnet. Seien Sie versichert, daß ich niemals jemanden mit „Kirchenhaß“ getroffen habe.
Wir haben uns in unserem Grundsätzen zu einer strikten Trennung von Staat und Kirche bekannt. Dies schließt ebenfalls ein, daß staatliche Gelder nicht dafür verwendet werden, Menschen für bestimmte Religionen zu missionieren.
Insofern haben wir eine kritische und aufgeklärte Haltung gegenüber Religionen. Religionsfreiheit ist ein hohes Gut, welches wir unbedingt verteidigen. Ebenfalls stehen wir hinter dem Grundgedanken, daß Religion Privatsache ist.

Wir kritisieren außerdem das Zustandekommen der Unterstützung für den Katholikentag. Außerdem halten wir die Höhe der zugesagten Summe für fragwürdig. Genauere Informationen werden in den nächsten Tagen auf der Website des Bürgerbegehrens sowie auch auf der Website der Piraten Leipzig zu finden sein.

Das Bürgerbegehren wurde nicht gestartet, um das Stattfinden des Katholikentages 2016 zu verhindern, sondern um allen Leipzigern Gelegenheit zu geben, die finanzielle Unterstützung zu überprüfen. Wir stehen sowohl mit der gastgebenden Propsteigemeinde als auch mit dem Organisationskomitee vor Ort in gutem Kontakt.

Was nun den von Ihnen kritisierten Bau der Moschee betrifft: da hier nach derzeitigem Stand keine öffentlichen Gelder verwendet werden und es sich hierbei um ein Privatgrundstück handelt, ist dies zuerst einmal ein Bauvorhaben wie jedes andere.
Wir begrüßen, daß wir in einem Land leben, wo die ungehinderte Religionsausübung ein hohes Gut ist.
Wir lehnen ab, eine gesamte Gemeinschaft (egal, ob es sich dabei um eine Religionsgemeinschaft oder eine andere definierte Gruppe handelt) für Taten Einzelner in Sippenhaft zu nehmen.
Wir haben Vertrauen in unseren Rechtsstaat und unser Justizsystem.
Wir schätzen die Unterschiede, die in unserer Stadt durch alle Einwohner repräsentiert werden.
Wir sind neugierig, welche neue Sichtweisen der Bau der geplanten Moschee und auch der Katholikentag bringen werden – jedes auf seine Weise.

Ich danke Ihnen für Ihre Besorgnis und Ihre Ausführungen und würde mich freuen, wenn Sie sich kritisch bei „Dialoge für Gohlis“ engagieren!

Mit besten Grüßen
Ute Elisabeth Gabelmann

Ich finde, ich war noch sehr nett. Und just for the record: nein, Bilder von abgehackten Köpfen am frühen Morgen finde ich jetzt nicht so geil…

Bürgerbegehren – aber bitte richtig!

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