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Eine Stellungnahme

Fördergesellschaft Theater der jungen Welt e.V.

Stellungnahme zur Diskussion über die Fusion der Leipziger Theaterhäuser

Sehr geehrte Frau Gabelmann,

die Fördergesellschaft Theater der jungen Welt e. V. nimmt mit großer Sorge die derzeitigen Bestrebungen zur Kenntnis, die Oper und die beiden Theater der Stadt Leipzig unter einer gemeinsamen Verwaltung zusammenzuführen. Als Förderer und Freunde des TdjW wenden wir uns nachdrücklich gegen dieses Ansinnen. Bei einer solchen Fusion kann das Theater der jungen Welt nur verlieren. Es gilt dagegen, die Eigenständigkeit des TdjW zu bewahren. Nur so bleibt die hochwertige künstlerische und soziokulturelle Arbeit dieses Theaters erhalten. Leipzig blickt seit Jahrzehnten mit Stolz auf sein erfolgreiches, beliebtes Kinder- und Jugendtheater. Die Schaffung eines städtischen Kultur-Großbetriebs unter Einbeziehung des TdjW würde dieser Tradition ein Ende setzen.

Das TdjW lässt sich mit wenigen Worten prägnant beschreiben: Es ist gemessen an der Finanzierung klein, vom Publikumszuspruch her dagegen ein Riese und in der Zweck-Mittel-Relation höchst effizient. Es setzt seine knappen Ressourcen vollkommen ökonomisch ein. In diesem Haus liegt keinerlei Einsparpotential mehr. Das wurde in der Vergangenheit mehrfach herausgestellt, zuletzt bei der Begutachtung durch actori.

Trotz der geringen finanziellen Ausstattung leistet das Haus eine exzellente Arbeit. Nicht umsonst zieht es jedes Jahr mehr als 50.000 Zuschauer im Alter von 2 bis 99 Jahren an. Darüber hinaus verfügt es über eine hohe überregionale und internationale Reputation. Schließlich nimmt das Theater vielfältige Aufgaben der kulturellen (Stadtteil-)Arbeit war. Es ist nicht nur Theater, sondern auch Bürgerhaus und ein Ort der qualitativen kulturellen Bildung.

Um seine umfangreiche Arbeit in der vorhandenen Qualität leisten zu können, benötigt das Haus flexible Strukturen und kurze Entscheidungswege. Die hat es derzeit und ist deshalb so erfolgreich: Mit dem vorhandenen und geringen Budget bietet es so viel Kunst wie nur irgend möglich. Das geht nur, weil alle Beteiligten nah dran sind und für das Haus brennen. So kann das TdjW auch renommierte Partner gewinnen und Fördermittel einwerben.

Diese Flexibilität und die kurzen Wege sind in einem Kultur-Konzern nicht mehr gegeben. Die spezifischen Belange des TdjW werden in einem kulturellen Großunternehmen zur Manövriermasse. Das Schicksal des Kinder- und Jugendtheaters in unserer Nachbarstadt Halle ist ein abschreckendes Beispiel für die Folgen einer Zusammenlegung.

Wir bitten Sie deshalb eindringlich: Setzen Sie nicht die Zukunft unseres so erfolgreichen Kinder- und Jugendtheaters aufs Spiel! Erhalten Sie diese Qualitätsmarke der Stadt Leipzig! Treten Sie für die Eigenständigkeit des TdJW ein!

Für ein Gespräch stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

xxx

Ute Elisabeth 'Lily' Gabelmann ist seit 2009 Piratin, alleinerziehende Mutter eines Zirkuskaters, überzeugte LVB-Nutzerin, bruncht gern im 100Wasser und zieht die Adoption der Ozelot-Familie im Zoo in Erwägung. Sie liebt Blek Le Rats “Madonna mit Kind” an der KarLi und kennt die tollste Autorin sowie die beste Eisdiele der Stadt. Sie ist Ratsherrin in einer der schönsten Städte Deutschlands, arbeitet mit einem Team cooler Leute zusammen und war auch mal politische Geschäftsführerin der Bundespartei.

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