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Wahlprüfsteine Stadtelternrat (SER) Leipzig

Stützsysteme an Schule / Schulsozialarbeit
Wie stehen Sie zu der Schulsozialarbeit? Werden Sie als OBM sich beim Land einsetzen, dass jede Schule und jede Schulform einen Schulsozialarbeiter bekommt und dieser auch finanziert wird. Werden Sie hierfür zusätzlich städtische Gelder bereit stellen? Werden Sie weitere Stützsysteme (Inklusionsassistent, Praxisbegleiter, Schulbegleiter…) an Schulen einführen?

Ich unterstütze Schulsozialarbeit vorbehaltlos. Diese Aufgabe ist in mehrfacher Hinsicht wichtig: sie leistet Inklusion auf vielen Ebenen (Armut, Migrationshintergrund, Lernnachteile etc.), entlastet die Lehrkraft, stärkt die Schüler und dient oft auch als Angelpunkt zum Elternhaus.
Es ist daher wünschenswert, daß jede Schule mindestens einen Schulsozialarbeiter hat. Leider ist dies als Prinzip noch nicht im Bundesland Sachsen verankert, so daß die Stadt Leipzig weiterhin versuchen wird, hier einzuspringen. Städtische Gelder werden weiterhin dafür bereit gestellt, sofern unsere kommunalen Pflichtaufgaben davon nicht berührt werden.
Auch andere Begleitformen sind sinnvoll und haben ihre Berechtigung. Ich werde mich auf Bundes- und Landesebene dafür einsetzen, daß die Kommunen Gelder dafür erhalten oder aber das Recht auf diese Schulbegleitformen gesetzlich abgesichert wird.

Medien / Digitalisierung
Seit der Verabschiedung des Digitalpaktes wurde den Schulen keine mediale Ausstattung mehr genehmigt. Wofür werden Sie das dadurch eingesparten Gelder im Haushalt verwenden? Werden diese Gelder zusätzlich zu den Geldern des Digitalpaktes in die digitale Infrastruktur der Schulen investiert? Wie wollen Sie in der nächsten Legislatur den Digitalpakt umsetzen bzw. fördern? Wie stellen Sie sich die Bildungslandschaft in Leipzig vor mit digitalen Medien? Was wollen/können Sie tun, um den digitalen Ausbau an Leipziger Schulen zu beschleunigen? Wird mit den Schulen begonnen, an welchen bisher noch gar nichts vorhanden ist (Tablets, interaktive Tafeln, Computerkabinett mit Rechnern, die jünger als fünf Jahre sind etc.) (Prioritätenliste?)?

Die Bildung unsere Kinder hängt auch, aber nicht nur von der technischen Ausstattung der Schulen ab. Die Fixierung darauf, daß der Unterricht besser oder zeitgemäßer wird, sobald Tablets verwendet werden, geht an der Sache vorbei. Es bedarf gleichermaßen einer Entlastung der Lehrer, damit diese sich auch für neue Lernformen weiterbilden und zudem einer massiven Verbesserung der Lehrausbildung, um digitale Möglichkeiten organisch in den Unterricht einzubinden.
Ich werde einen gleichmäßigen Aufbau der digitalen Infrastruktur an Schulen mittels einer detaillierten Prioritätenliste vorantreiben. Die Schulen sollen die Möglichkeit haben, auf Lotsen zurückzugreifen, die sie im Beantragungsdschungel von Fördergeldern und Förderungen unterstützen. Auch auf die Verbesserung der schulverwaltenden Aufgaben durch Digitalisierung lege ich wert.
Digitalisierung ist und bleibt eine Querschnittsaufgabe, die mit mir als OBM sogenannte „Chefsache“ wird.

Personal
Wie soll Schule bis 2030 im Bereich Personalmanagement für Sie aussehen? Welche Maßnahmen werden Sie in Angriff nehmen, um kurzfristig ausgefallenes Personal zu ersetzen? Da geht es nicht nur um Hausmeister, Sekretärinnen, sondern auch um Horterzieher, Schulsozialarbeiter, Schulbegleiter etc.

Für das meiste Personal an Schulen ist das Land zuständig. Zudem kann gut ausgebildetes Personal auch nicht kurzfristig ersetzt werden. Ganz generell ist es jedoch Aufgabe des Arbeitgebers, in Zusammenarbeit mit dem Arbeitnehmer auch die langfristigen Ursachen für solche Fälle anzugehen, die vermeidbar sind – seien es Streß, Burn-Out, Perspektivlosigkeit oder Motivationslosigkeit.

Schulbau / Schulsanierung
Wie wollen Sie in der nächsten Legislatur den Sanierungsstau an Bestandsschulen beheben? Wie wollen Sie in den nächsten Jahren die Herausforderung angehen, dass jeder Schüler einen sicheren Schulplatz bekommt. (Uns ist bekannt, dass die Geburtszahlen im Jahr 2019 weniger gestiegen sind als die Jahre zuvor, aber die Kinder erst in 16 bis 20 Jahren einen Abschluss machen werden.)
Wo wollen Sie den Platz finden für die noch benötigten Neubauschulen?

Die angesprochenen Probleme sind Versäumnisse der letzten Jahre und Jahrzehnte, die nur schwer wieder zu heilen oder gar rückgängig zu machen sind. Geeignete eigene Grundstücke sind kaum mehr vorhanden, die Grundstückspreise für den Zukauf astronomisch gestiegen. Durch den Bauboom lassen sich Handwerker den Abbau des Sanierungstaus sehr gut bezahlen, so daß für das vorgesehene Budget deutlich weniger Leistungen eingekauft werden können.
Dieses aufzudröseln, ist eine gemeinsame Kraftanstrengung. Derzeit sind wir dabei leider zu einem unvertretbar hohen Maße auf den guten Willen privater Investoren angewiesen.
Die Schulplanung sollte immer etwas oberhalb der prognostizierten Schülerzahlen liegen, um Spielraum zu schaffen. Wir werden außerdem prüfen, ob schulischen Bauprojekte Vorrang vor anderen städtischen Bauvorhaben eingeräumt werden sollte.

Infrastruktur
Wie wollen Sie dem Mangel an Turn- und Schwimmhallen in der Stadt Leipzig kurzfristig beheben? (Der Schwimmunterricht fällt in mehreren Schulen regelmäßig aus bzw. wird er gar nicht mehr angeboten.) Wie stehen Sie zur (praktischen) Fahrradausbildung an Leipziger Schulen? Welche kurzfristigen Maßnahmen können die Schülerinnen und Schüler erwarten, damit alle Schüler bis zur 4. Klassen ab 2020 eine praktische Fahrradausbildung bekommen? Wie wollen Sie die Schulen für die kommenden Herausforderungen (Paradigmenwechsel) ausstatten (Räume, Stühle und Tische, Spinde, Tablets etc.)? Wie stellen Sie sich den Schülerverkehr in den nächsten Jahren vor, bei steigender Schülerzahl? (Es kommen jetzt schon manche Schüler nicht mit den Bussen oder Bahnen mit, da diese total überfüllt sind.)

Um die derzeitig vorhandenen Schwimmhallen von Wellness-Gästen und Gelegenheitsschwimmern zu entlasten, könnte man eine Sanierung und Wiederinbetriebnahme des Stadtbades ins Auge fassen. Die freiwerdenden Kapazitäten in den Sportschwimmhallen stünden sowohl den Schulen als auch den Vereinen zur Verfügung.
Als wichtig allgemein sehen wir im Sportunterricht, daß Bewegung, Fitness und Körpergefühl grundsätzlich geschult werden. Spezifische Sportarten können besser im Verein erlernt werden. Verkehrserziehungsplätze sollten wie früher in die Schulhöfe integriert werden, so daß dort Verkehrserziehung und Radunterricht erfolgen kann. Diese Überlegungen sind bei den Planungen der Außenanlagen miteinzubeziehen.
Der komplexer werdende Verkehr ist keine auf Schüler beschränkte Problematik. Wir stehen vor der Aufgabe, das Netz des ÖPNV bedarfsgerecht auszubauen. Großen Wert legen wir auf Neubaustrecken und die Reaktivierung früherer Knotenverbindungen. Beides ist vorwiegend ein Problem der Finanzierung.

Über

Ute Elisabeth 'Lily' Gabelmann ist Stadtpolitikerin aus Leidenschaft. Sie kam 2000 nach Leipzig, um Anglistik und Journalistik zu studieren, verliebte sich in die Stadt und blieb. Um 2005 ging sie in die Kommunalpolitik, um sich gegen Überwachung und für Freiheit und Demokratie zu engagieren. Seit 2009 ist sie Piratin, ab 2017 auch als politische Geschäftsführerin im Bundesvorstand. 2014 zog sie als einzige Piratin in den Stadtrat ein, wo sie sich im Dialog zwischen Verwaltung und Bürgern für die Anliegen der Leipziger einsetzte. Drei Jahre später gründete sie mit Stadträten der Linkspartei und FDP die Freibeuter-Fraktion, deren Vorsitz sie übernahm. Sie ist alleinerziehende Mutter eines Zirkuskaters, überzeugte LVB-Nutzerin, bruncht gern im 100Wasser und zieht die Adoption der Ozelot-Familie im Zoo in Erwägung. Sie liebt Blek Le Rats “Madonna mit Kind” an der KarLi und kennt die tollste Autorin sowie die beste Eisdiele der Stadt.

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